Initial Coin Offering (ICO) VS. Initial Public Offerings (IPO)

Initial Coin Offering (ICO) VS. Initial Public Offerings (IPO)

Pavel Leonov

Freitag, 11 August 2017

Das Phänomen vom ICO (Initial Coin Offerings, “ICO”) ist zu einem der „heißesten“ Finanzprodukten dieses Jahres geworden.

Seit Jahresanfang haben Unternehmen damit über eine Million US Dollar erhalten.

Ein paar Beispiele dazu:

Im Juni hat die Bank «Polibius» – eine Firma aus Estland, die eine Onlinebank auf der Grundlage von Kryptowährungen gründen wollte, – 29 Millonen US Dollar erhalten. Im Juli hat das Unternehmen namens “Dynamic Ledger Solutions” über 200 Millionen US Dollar erhalten, basierend auf der neuen Kryptowährung namens Tez, die sich als die sicherste Alternative zu den beliebten Kryptowährungen Bitcoin und Ethereum positioniert. Im August erhielt das Unternehmen “Protocol Labs” über 250 Millionen US Dollar via die Kryprowährung „Filecoin“, die zum Bezahlen und Bewahren von Digitaldaten benutzt werden kann.

ICO Projekte sind in der letzen Zeit zur richtigen Sensation geworden. Es kam sogar die Meinung auf, das ICO würde die ersten IPOs übertreffen, welches für junge wachsende Unternehmen als traditionelle Herangehensweise zur Kapitalbeschaffung gilt. Es wäre vom großen Nutzen, die Frage nach dem Unterschied zwischen dem ICO und dem IPO eindeutiger zu definieren.

Man könnte annehmen, dann das Unternehmen, die ICOs benutzen Kryptowährung ausgeschüttet bekommen, wenn schon im Falle von IPOs Unternehmen von Investoren US Dollar erhalten. Stimmt’s?

Das Gegenteil ist jedoch der Fall.

Ähnlich wie bei „traditionellen IPOs“, bekommt das Unternehmen beim Starten eines ICOs von Investoren auch US Dollar (oder Euro).

Der Unterschied besteht nicht darin, was das Unternehmen bekommt, sondern darin, was der Investor erhält. Bei traditionellen IPOs würden Investoren Unternehmensaktien bekommen. Bei einem ICO bekommt der Investor die erschaffene Kryptowährung, die er dann gegen US Dollar tauschen kann. Falls sich der Wert der Kryptowährungen vergrößert, profitieren Investoren daran.

Der zweite Unterschied besteht darin, dass der ganze Prozess bei einem ICO schneller läuft als bei einem IPO. Ein IPO-Prozess nimmt Monate in Anspruch und setzt voraus, dass sich eine Menge Anwälte, Wirtschaftsprüfer, Bankmitarbeiter damit beschäftigen. Man kann sich ein ICO wie ein gedoptes IPO vorstellen.

Bei Protocol Labs, nimmt der ganze Prozess lediglich ein paar Tage in Anspruch und hat gar keine Vermittler nötig, solche wie Investmentbanken es sind, zum Beispiel, trotz der Tatsache, dass das Ausmaß des Angebots sehr beeindruckend war, wenn man sich über die Maßgaben des IPOs im Klaren ist. In der Regel, verlangen Banken 5 % Gebühr vom IPO. Somit bekämen Banken 12,5 Millionen US Dollar Provision, wenn die Filecoin ein IPO wäre. Das ICO mit Filecoin Münzen setzte der Provision ein Ende.

Der letzte und wahrscheinlich wesentlichste Unterschied besteht darin, dass das ICO keine normalen alltäglichen Steuerungsmechanismen verlangt, ob juristische oder andere Prüfungen, die das IPO erfordert. Im typischen IPO muss das Unternehmen geprüfte Finanzberichte erstellen, ein umfangreiches Dokument namens Broschüre, welches das Geschäft beschreibt ,vorlegen; außerdem muss das Unternehmen von der United States Securities and Exchange Commission eine entsprechende Erlaubnis bekommen. Bei einem ICO wird nichts desgleichen verlangt.

Eine kurze Vorgeschichte zur IPO-Regulierung

Um die Einfachheit zu würdigen, mit der das ICO hunderte von Millionen Dollar beschafft und das ohne reguliert zu werden, soll man sich mit der Geschichte der IPO- Regelung auseinandersetzen..

Der regulative Aspekt, der vorschreibt, wie das Unternehmen sein IPO organisieren muss, ist eine ziemlich junge Erfindung.

Investierung in Unternehmensaktien galt als ein sehr belieber Absatzmarkt für Nettoerlöse in den USA im Laufe des neunzehnten Jahrhunderts. Damals wurden IPOs ohne Reglamentierung durchgeführt. Das Amerika des neunzehnten Jahrhunderts ähnelte wilden kapitalistischen Regenwäldern.

Viele erfolgreiche Unternehmen führten in der Tat rechtmäßige IPOs. Einige Unternehmen setzten ihre Arbeit auch im zwanzigsten Jahrhundert fort nachdem sie Investitionen erhalten hatten, so wie zum Beispiel die Chase Manhattan Bank. Die Entwicklung von amerikanischen Eisenbahnlinien und die Erdölbranche wurden von den Investoren finanziert, die in die Aktionen von Standard Oil Company u.ä. investierten.

Die Tatsache, dass es keinerlei Regulierung gab, hat den amerikanischen Aktienmarkt sehr attraktiv für Gauner aller Art gemacht. So war auch die Kriminalitätsrate relativ hoch. Einige Promoter haben den Investoren statt des versprochenen blauen Himmels nur leere Versprechen verkauft.

Dieses Problem wurde so ernst, dass im Jahre 1911 der Staat Kansas die Regelung eingeführt hat, dass man eine Broschüre verwenden müsse, die Auskünfte über die Unternehmen geben sowie das Gebührensystem erläutern könnte. Die anderen Staaten Amerikas sind diesem Beispiel gefolgt. Ähnliche Gesetze gibt es bis heute in den USA, und man kennt sie immer noch als „Blue sky law“ (Gesetze des blauen Himmels); die kennt auch jeder, der auf der Wall Street arbeitet.

Jedoch blieben die Finanzregelungen in den USA am Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts ziemlich mild. Es existierte keine Kontrolle auf der Bundesebene. Das führte dazu, dass hinterhältige Börsendealer während des Wirtschaftshochs in den zwanziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts Hintertürchen zum Öffnen gebracht haben.

Der bekannteste von ihnen war Charles Ponzi, ein Geschäftsmann aus Boston, der Investitionen dadurch heranzog, dass er überdurchschnittliche Erträge versprach. Das erwies sich als gelogen, denn Mr Ponzi hat nicht investiert, sondern nur immer mehr Mittel herangezogen, indem er das Geld von Investoren benutzte, um die anderen Schulden auszuzahlen. In den USA ist der Ausdruck „Ponzi sheme“ in den konstanten Wortschatz eingegangen; so nennt man Finanzpyramiden, die nachgewiesenermaßen Gaunertricks sind. Im Laufen von vielen Jahren inspirierte Ponzi seine „Follower“ weltweit, unter denen den Gründer vom Unternehmen „MMM“ Sergei Mawrodi.

Im Jahre 1929 hat es im amerikanischen Aktienmarkt gekracht. Viele haben ihr Gesamtvermögen verloren, denn Amerika erlebte eine starke Wirtschaftsrezession; Aktienpreise sind im Durchschnitt um 90% gefallen. Um mit dem wirtschaftlichen Übel fertig zu werden, hat die Regierung der USA die United States Securities and Exchange Commission gegründet, die den Investoren ganz stringente Normen hinsichtlich der Wertpapiere vorgelegt hat und so gut wie die Normen des IPO erschaffen hat, die auch heute relevant sind.

Interessant ist auch folgendes: der erste Vorsitzende der Commision war Joe Kennedy, ein sehr erfolgreicher Geschäftsmann, der sein erstes Geld am Verkauf von alkoholischen Getränken verdient hat, und das zu den Zeiten von Prohibition. Mit der Zeit baute Joe Kennedy ein bedeutendes Vermögen zusammen sowie das Ansehen der amerikanischen Gesellschaft; sein Sohn wurde zum 35. Präsidenten der USA gewählt.

Die geschilderte Situation ist aktuell, denn der Aktienmarkt existiert immer noch entsprechend der Gesetze, die vor über 80 Jahren verabschiedet wurden. Jeder, der bei der Investmentbank in New York arbeitet, muss besondere Prüfungen ablegen, die die Kenntnisse von Finanzprodukten und Regeln prüfen, die in den dreißiger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts festgelegt worden sind. Jedes Unternehmen, dass eigene Aktien an Investoren freigeben will, muss sich auf einen langen Prozess einstellen, der mindestens sechs Monate dauert; dabei beschäftig man sich mit der Vorbereitung eines Prospekts, man wird der Wirtschaftsprüfung unterzogen – erst danach bekommt man die Zustimmung der Commission und gilt somit als tauglich nicht nur auf der föderalen sondern auf der gesamten Bundesebene, die für alle 50 Staaten gilt. In den anderen Ländern unterscheiden sich die Regulierungsnormen, allerdings folgen alle Länder dem amerikanischen Muster.

Regeln vs. Finanzinnovation

Mit der Erscheinung des ICOs haben sich alle Regeln, die man über Jahrzehnte erarbeitet und optimiert hat, als überflüssig erwiesen. Kein Wunder – denn das ICO solch eine neue Konzeption darstellt, das das in die alten Rahmen nicht passt.

Allerdings ähnelt das wirtschaftliche Wesen vom ICO dem vom IPO, kraft der Tatsache, dass Kryptowährungen sehr einfach gegen Dollar getauscht werden können – man trennt sich von einem Betrag in der Hoffnung, ein großes Profit davon zu erzielen.

Jedes Unternehmen kann Kryptowährungen erschaffen. Investoren kaufen neue Angebote von Kryptocoins; dabe stützen sie sich auf sehr wenig Information. Das ICO als Prozess unterscheidet sich nicht stark davon, wie Unternehmen früher im neunzehnten Jahrhundert Aktien vermarkteten; es überrascht als nicht, dass die Commission eine Vorwarnung über die Risiken einer nicht kontrollierten Investierung der Kryptowährungen veröffentlicht hat.

Zum Glück für die Investoren, zeigte sich der Kryptomarkt von seiner guten Seite. Vor vier Jahren betrug der Preis von einem Bitcoin rund 20 Dollar. Vor Kurzem konnte man eine Bitcoin für vier Tausend Dollar erwerben.

Die Technologie der blockchains, die dem zugrunde liegt, ist natürlich eine rege und starke Innovation in der Welt der Aufbewahrung und des Tausches der Daten. Die Frage ist nur, ob die Welt so viele Kryptowährungen braucht.

Eine gewisse Zeit war die Bitcoin die einzige Kryptowährung. Im Jahre 2015 brachte der russische Programmierer Vitali Buterin eine neue Kryptowährung namens Ethereum auf den Markt, die sehr schnell beliebt wurde. Die Bitcoin und das Ethereum sind heutzutage die grössten Kryptowährungen. Es gibt aber auch viele andere. Auf der Seite www.coinmarketcap.com sind über 800 unterschiedliche Kryptowährungen vorgestellt; die zehn bedeutendsten haben eine Marktkapitalisierung von über einer Milliarde US Dollar, während eine von den unbedeutendsten Kryptowährungen namens PizzaCoin mit lediglich ein paar hunderten von US Dollar abgeschnitten hat.

Investoren wurden wohl immer von der Idee der neuen Kryptowährungen fasziniert durch die überdurchschnittliche Gewinne. Der Preis von Ethereum verdreißigfachte sich innerhalb des Jahres 2017. Die früheren Investoren in die Filecoin haben das sechsfache bekommen binnen weniger als einem Monat.

United States Securities and Exchange Commission hat ihre Besorgnis hinsichtlich des ICO mehrmals geäußert, allerdings wurde keine formelle Regulierung gewährleistet. Momentan  ist das auch zum Status Quo geworden.

Weil es auch immer so war, entwickeln sich Finanzinnovationen sehr schnell; die entsprechende legislative Regulierung bleibt zurück. Die Neueinsteiger in den Markt haben die einzigartige Möglichkeit gerade jetzt ein Vermögen zu machen. Man soll aber nicht so stark auf den Geschmack des Spiels kommen, dass man genau den Moment verpasst, bei dem man das virtuelle Geld gegen die realen Dollar tauschen soll.



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